Kurioses

In den 1830er-Jahren wurden verschiedene fotografische Verfahren erfunden – die wichtigsten waren die nach ihrem Erfinder benannte Daguerreotypie sowie William Fox Talbots zweistufiger Negativ-Positiv-Prozess. Während die Daguerreotypie nur etwa 15 Jahre lang populär war, dominiert Talbots Idee seit den 1850er-Jahren die Fotografie. Daguerreotypien sind immer Unikate auf Metallplatten, meist seitenverkehrt. Von transparenten Negativen in der Tradition Talbots dagegen lassen sich beliebig viele seitenrichtige Positiv-Abzüge kopieren. Diese Eigenschaft nutzte unser Fotograf für Reproduktionen – eventuell als Dienstleistung: Er hat Objekte fotografiert, um deren Bilder zu vervielfältigen. Dieser Teilbestand ist der kleinste des überlieferten Konvoluts: Die Kopie eines passepartourierten Albuminabzugs, Aufnahmen von Tonscherben sowie eines Nagels. Einige Platten sind retuschiert: Ein Portrait ist so vom Hintergrund separiert, dass es als Passbild funktioniert. Eine entsprechend bearbeitete Landschaftsaufnahme diente vielleicht als Vorlage für eine Postkarte. Die dramatisch anmutende Sequenz der ballonfahrenden Frau zeigt die einzigen Aufnahmen eines bewegten Motivs im Bestand. Hier offenbart sich die Könnerschaft des Fotografen: Die verwendete Kamera hatte wahrscheinlich keinen Sucher, er musste also zielen, und zudem nach jeder Aufnahme unter Zeitdruck die Platte wechseln; eventuell hat er die schwere Kamera sogar in der Hand gehalten. (mf)

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