Landschaften
Die meisten Fotografien aus der Sammlung sind Motive der Landschaft. Charakteristisch dabei ist, dass zumeist Gebäude wie Mühlen, Brücken oder Bauernhöfe festgehalten sind und manchmal Menschen wie beiläufig hingesetzt darin vorkommen. Offensichtlich ist zudem die zumeist malerische Postkartenperspektive, die sich zumindest in zwei realen Ansichtskarten manifestiert (Inv. -Nr. 4528, 4564). Der Fotograf suchte sich zumeist 'unverbaute' Motive – unberührt von der modernen Zivilisation der Fabriken, Straßen und technischen Bauwerke. Die Bilder suggerieren den Blick auf eine rurale Welt, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch an Kocher und Jagst bereits im Verschwinden begriffen war. Insofern dürfte er sich an der vor allem in bürgerlichen Kreisen populären Heimatschutzbewegung orientiert haben. Deren Verfechter Ernst Rudorff, Oscar Schwindrazheim, Paul Schulze-Naumburg und Heinrich Sohnrey versuchten mit konservativ-rückwärts gewandtem Gedankengut – als Stärkung der nationalen Identität – die Moderne von Industrie, Mobilität, Proletarisierung und Verstädterung zu negieren. Ihr Ziel: eine vermeintlich heile Heimat bäuerlichen Ursprungs. Dazu dienten unter anderem Trachten- und Heimatvereine, der Landschafts- und Naturschutz sowie die Pflege von Denkmälern und Brauchtum. (uh)